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Kleine Drahtseilakrobaten

"Kleine Drahtseilakrobaten" - Veranstaltung (nur) für pädagogische Fachkräfte aus dem Landkreis Hildesheim:
Kinder psychisch kranker Eltern in Kita und Kindertagespflege stärken -
Eine Kooperationsveranstaltung des Landkreises Hildesheim & nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V.)

Datum:

21.02.2018

Uhrzeit:

10:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Ort:

Großer Sitzungssaal, Kreishaus, Bischof-Janssen-Str. 31

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Kleine Drahtseilakrobaten- Kinder psychisch kranker Eltern stärken in Kita und Kindertagespflege

Flyer  --  Programm

Hauptvortrag:

Präventive Begleitung von Kindern aus psychisch belasteten Familien in Kita & Kindertagespflege - Bindung ermöglichen und Kinderschutz sicherstellen

Die Gehirnarchitektur des Menschen und damit auch seine Persönlichkeit werden durch die optischen, emotionalen und kognitiven Abbildungen zwischenmenschlicher Interaktionen geformt. Das die Entwicklung organisierende Prinzip ist die Qualität der frühen Bindungserfahrungen.

Bei Eltern mit unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen wie z.B. Vernachlässigung, emotionale Misshandlung, Gewalt und sexueller Missbrauch in den frühen Lebensphasen kommt es zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung ihrer Beziehungsfähigkeit. Hinzu treten Störungen der Affektregulation, der Mentalisierung und der Identitätsbildung. Sie sind daher nicht in der Lage, die Bindungsentwicklung ihrer Kinder durch ein ausreichend einfühlsames und responsives Verhalten zu fördern. Durch ihre Tendenz zu Stress- und Kontaktvermeidung ist ihre Kooperationsfähigkeit mit den Helfersystemen beeinträchtigt.

Anhaltende psychosoziale Mangelerfahrungen in den ersten beiden Lebensjahren führen bei den Kindern zu ängstlichem Rückzug mit stark eingeschränkter Exploration. Die Folgen sind sprachliche, motorische, emotionale und kognitive Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome und Auffälligkeiten im Sozialverhalten. Die herausfordernden und dysfunktionalen, aber ebenso entwicklungslogischen Überlebensstrategien der Kinder werden auch in den zuständigen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen „reinszeniert" und können langfristig nur durch ein konsequent bindungssensibles Fürsorgeverhalten der Bezugspersonen verändert werden.

Im ersten Teil des Vortrages werden die Entstehungsbedingungen der traumatischen Störungen im familiären Kontext dargestellt. Im zweiten Teil werden die Prinzipien und Methoden eines bindungskompetenten Umgangs mit den betroffenen Kindern erläutert. Der einvernehmliche Kontakt mit den Eltern kann dabei nur dann über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden, wenn es gelingt, den zu erwartenden Irritationen im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle nachhaltig entgegenzuwirken. Eine gute multiinstitutionelle Vernetzung verfolgt das Ziel, die Familien ganzheitlich wahrzunehmen, zu unterstützen und sowohl die Eltern als auch die Kinder zu den entsprechenden Therapien zu motivieren. Videogestützte Methoden können einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Interaktion zwischen den Kindern und den wichtigsten Bezugspersonen leisten.

Referent:

Dr. med. Michael Hipp

Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Hilden, Kreisgesundheitsamt Mettmann

Mitbegründer des Förderkreises KIPKEL, Prävention für Kinder psychisch kranker Eltern

Download des Vortrags
 

Workshop 1:

Miriam Röth-de Koning

Poki Königshof – Hilfen für Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien

Raum 554 (15 Teilnehmer*innen)

2,6 Mio. Kinder in Deutschland leben in alkoholbelasteten Familien. Umgerechnet sind das rund 20% - jedes fünfte Kind ist demnach statistisch betroffen. Erst kürzlich wurde im aktuellen Sucht- und Drogenbericht der Bedarf an expliziten Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe als Jahresschwerpunkt hervorgehoben. Der POKI Königshof in Sottrum bei Hildesheim hat sich die besondere Unterstützung betroffener junger Menschen unter Selbsthilfe-Aspekten zum Ziel gemacht. Mithilfe systemischer und tiergestützter Arbeit soll eine ambulante Begleitung mit stationären Elementen ermöglicht werden. Ein innovatives Angebot im Spannungsfeld zwischen Bedarf und Verheimlichung.

Download des Workshop-Handouts

Workshop 2:

Erziehungsberatung (Frau Heuer & Frau Ohm)

Frühe Bindung stärken = Bindungs- und Feinfühligkeitstraining - Kompetenzen stärken durch positive verstärkende Rückmeldungen und wertschätzende Haltung

SPD Fraktionsraum (25 Teilnehmer*innen)

Babys und Kleinkinder mit schwierigen Erfahrungen sind hinsichtlich des Aufbaues vertrauensvoller Bindungen mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Aus Baby und Kleinkindsicht beängstigendes Verhalten der Bezugspersonen führen zu Dysregulation und beeinträchtigen den Aufbau organisierter Bindungen. Als Folge ist oft die Entwicklung adäquater Emotionsregulationsstrategien bei den Kindern erschwert. Anhand von konkreten Beispielen wollen wir die Entstehungsbedingungen der Entwicklungsrisiken für Regulationsstörungen und Entwicklungsverzögerungen sowie Interventionen, die auf die Themen Bindung und Regulation abzielen behandeln.

Leitfragen für die gemeinsame Arbeitsgruppe sollen dabei sein: wie können Bezugspersonen in fürsorglichen Verhaltensweisen gestärkt werden und wie kann es gelingen, dass sich Eltern kompetent erleben und sich ihren Kindern zuwenden, wenn diese Signale von Belastung zeigen. Wie kann es gelingen, dass sich Bezugspersonen von ihren Kindern führen lassen und sich an Interaktionen mit ihnen erfreuen.
 

Workshop 3:

Anja Thürnau und Studierende der HAWK

Kinder psychisch kranker Eltern stabilisieren – psychoedukative Angebote

Kleiner Sitzungssaal (30 Teilnehmer*innen)

Eine psychische Erkrankung bei einem Elternteil bzw. bei den Eltern stellt einen bis heute - oft tabuisierten - Hochrisikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar. Denn

diese Kinder wachsen mit einem erhöhten Risiko auf, ebenfalls im Verlauf ihres Lebens eine psychische Erkrankung zu entwickeln.

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit einigen ausgewählten Risiko- und Schutzfaktoren von Kindern mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Der Hauptfokus dieses Workshops widmet sich dem Bereich der

Psychoedukation. Kitakinder können über die Erkrankung ihrer Eltern informiert werden. Psychoedukative Medien, wie etwa Bilderbücher, fördern bei den Kindern das Verständnis über die Erkrankung ihrer Eltern und wirken enttabuisierend.

Download des Workshop-Handouts
 

Workshop 4:

Nina Bobe vom Kea Projekt, Hildesheim

Probleme der Großen – großes Thema für die Kleinen

Wie wirkt sich das Kommunikationsverhalten der Eltern auf die Kinder aus

CDU Fraktionsraum (25 Teilnehmer*innen)

Immer wieder fallen einzelne Kinder in der Kita durch schwieriges Kommunikationsverhalten auf. Unabhängig davon, ob extrem ruhig, sehr wechselhaft, impulsiv, sehr laut - eine Ursache kann im Kommunikationsverhalten der Eltern liegen.

Wir möchten uns in diesem Workshop damit beschäftigen, Kommunikationsbesonderheiten von Eltern wahrzunehmen und Folgen für das Kind zu erkennen, um die eigene Kommunikation mit dem Kind zu reflektieren und bewusst zu gestalten.

Zudem bietet der Workshop eines fallbezogenen Austausches.
 

Workshop 5:

Filmvortrag

(105 min.) mit anschließender Diskussion

„Wo bist du? Kinder psychiatrieerfahrener Eltern im Fokus"

Großer Sitzungssaal (max. 200 Teilnehmer*innen)

„Die aktuelle Diskussion zum Thema psychische Erkrankungen hat in der letzten Zeit mehr Raum gewonnen. Wie aber geht es den Kindern psychisch Erkrankter? Wie den Eltern? Die Dokumentation „Wo bist Du? - Kinder psychiatrieerfahrener Eltern im Fokus" gibt ihnen eine Stimme. Sie berühren mit ihren ungehörten Geschichten, mit ihren unterdrückten Gefühlen. Auch Psychiater und Therapeuten kommen zu Wort und bringen Licht ins Dunkle.

„Wo bist Du?" ist ein bewegender, wichtiger Film, der zum Nachdenken und Handeln anregt."

(Filmrezension Ilse Eichenbrenner, Psychiatrienetz)