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Abbau von Barrieren in Wohnungen und in den Köpfen notwendig 20.05.2014


(LKHi 14-4-012 )   -Wohnberater sensibilisieren und geben Impulse zur Weiterentwicklung -

Kreis Hildesheim (Ips4) Wer möchte als behinderter Mensch oder im Alter nicht gern so lange wie möglich in einer Wohnung leben, die barrierefrei ist und – wenn nötig - technikunterstützte Hilfen anbietet. Die Nachfrage nach Wohnungen, die Menschen in allen Lebenslagen und bis ins hohe Alter Sicherheit und Komfort bieten, steigt daher.

   Doch barrierefreie und altersgerechte Wohnungen sind immer noch Mangelware. Nach einer aktuellen Studie des Pestel-Institutes wohnt die Altersgruppe 65 plus zu 95 Prozent in älteren Wohnungen, die weder barrierefrei noch barrierearm sind. Im Landkreis Hildesheim werden in den nächsten 15 Jahren über 7.000 altengerechte Wohnungen benötigt.

   „Mit dem Thema befasst sich der Landkreis Hildesheim schon länger“, berichtet Manuel Stender, der für die Strukturplanung der Seniorenarbeit zuständig ist und das Netzwerk „Nachhaltiges Wohnen“ koordiniert. „Wir möchten nicht nur ältere Menschen ansprechen, sondern auch die Jüngeren erreichen. Statt altersgerechtes Wohnen sollte es als allengerechtes Wohnen verstanden werden“.

   Unabhängig vom Alter bzw. einer Behinderung ist es sinnvoll, bei der Wohnungsplanung im Bestand oder Neubau die Barrierefreiheit zu beachten. Für Familien mit kleinen Kindern oder mobilitätseingeschränkte Menschen, z. B. nach einer Sportverletzung oder Rheumakranke, bedeuten breite Türen, ein schwellenloser Balkonzugang oder eine bodengleiche Dusche Komfort und Sicherheit.

   „Es ist wichtig, das sich die Menschen rechtzeitig Gedanken machen, wie sie dauerhaft und sicher wohnen möchten“, so Antje Rose, Wohnberaterin im Pflegestützpunkt Hildesheim. „Die Realität sieht aber leider anders aus“. Meistens werde eine Beratung erst in Anspruch genommen, wenn ein akuter Handlungsbedarf vorliegt, etwa nach einem Unfall oder einer Pflegebedürftigkeit. „Hier müssen wir auch die Barrieren und Hemmschwellen in den Köpfen beseitigen“, so Rose. Dazu könnte auch ein geplanter Ratgeber zum Thema alternsgerechtes Wohnen dienen, der voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht wird.

   Bereits 2011 wurden zwei hauptamtliche und zusätzlich 28 ehrenamtliche Wohnberater ausgebildet. Nach einem Kooperationstreffen zum Thema „Wohnen im Alter“ mit 90 Teilnehmern bildete sich das offene Netzwerk „Nachhaltiges Wohnen“. Teilnehmer sind u. a. Akteure der Kommunen, der Wohnwirtschaft, des Handwerks und sozialen Institutionen. Ziel ist es, neben dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch die Thematik in den öffentlichen Blickpunkt zu rücken und positive Entwicklungen zu fördern. Beispielsweise wurde 2012 mit großer Resonanz im Kreishaus eine Veranstaltung zum Thema Selbstbestimmtes Wohnen und Leben in der Region Hildesheim sowie der Niedersächsische Fachtag Wohnen im Alter durchgeführt.

   Teilnehmer des Netzwerkes und die Wohnberater besichtigten nun das neue Wohnprojekt Argentum Am Ried der Kreiswohnbau Hildesheim in Sarstedt. Ralf Oelkers, Leiter des Kundencenters, und Ute Hoppe informierten über das Wohnkonzept. Die altersgerechten Wohnungen sind mit moderner Smart Home Steuertechnik ausgestattet. Zudem sind hauswirtschaftliche und soziale Dienstleistungen verfügbar. Ansprechpartner in einer integrierten Service- und Beratungsstelle ist der Kooperationspartner, die Johanniter-Unfall-Hilfe.

   Im Anschluss informierten Annette Brümmer und Katrin Hodler von der Niedersächsischen Fachstelle für Wohnberatung über die aktuelle Entwicklung entlastender technischer Unterstützungssysteme. Moderne Technologien und Assistenzsysteme (AAL) helfen, die alltäglichen Anforderungen des Lebens leichter zu meistern. Die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit für Menschen in allen Lebensbereichen wird erhöht. Etwa in den Bereichen Kommunikation, Sicherheit oder Telemedizin.

   Interessierte, die sich am Netzwerk „Nachhaltige Wohnen“ beteiligen möchten können sich an Manuel Stender, Tel. 05121/ 309-1591 wenden. Auskünfte zur Wohnberatung erteilen Antje Rose, Pflegestützpunkt Hildesheim, Tel. 05121/309-1602 und Sabine Wegener, Pflegestützpunkt Alfeld, Tel. 05181/704-8132.

Mitglieder des Netzwerks „Nachhaltiges Wohnen“ und Wohnberater besichtigen das Wohnprojekt Argentum

(Foto: lps)