Talentiert und Engagiert - Wolfgang Rehkate

 „Eingefangen“ –  das Büro noch nicht ganz ausgeräumt, den Ruhestand gerade angetreten und schon bei Flux gelandet.

Ein warmer Junitag, wir sitzen draußen auf Eurer schönen Terrasse.

Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Trotzdem so vertraut.

Viele Jahre waren wir gemeinsam bei FLUX.

Du bist es noch. Ein Segen!

Im Herbst 2017 bekomme ich einen Anruf.

Altersbedingt würdest Du Dein Ingenieurbüro aufgeben und es gäbe noch einen Tisch und diverse andere Dinge. Wir verabreden uns in Deinem ehemaligen Büro und es gibt viel für FLUX. Mehrere Tische, tolle Stehlampen, die ausleuchten können und vor allem das Angebot von Dir, beim Transport zu helfen. Was für ein super netter Spender, denke ich und beim Verabschieden frage ich noch: "Haben Sie schon etwas vor in Ihrem bevorstehenden Ruhestand? Kommen Sie doch mal bei FLUX vorbei, es gibt eine Menge zu tun.“

Der 2.11.2017 ist der Tag, an dem wir gemeinsam im FLUX Café bei einer Tasse Kaffee sitzen. Mitten im Gewusel der vielen Menschen. Deine Möbel haben schon ihre neuen Plätze gefunden. Du wolltest wissen, was es so bei FLUX zu tun gäbe. Wir werden unterbrochen. „Ja, da warst Du weg und jemand setze sich neben mich und fragte: Kannst du mir helfen?“

Kaum ist der Satz raus, verwandelt sich dein Gesicht in ein Dir sehr typisches Lächeln.

„Eingefangen!“, nennst Du das und freust Dich heute noch bei der Erinnerung, es war ein guter Start.

Wolfgang Rehkate, Bauingenieur im Ruhestand, ist seit 9 Jahren bei FLUX.

Seine Haupttätigkeit ist die Vermittlung von Jobs. Ausbildungssuche ist weniger geworden, Jobsuche explodiert. Passende Stellen zu finden wird leider immer schwieriger…die konjunkturelle Schwäche unserer Wirtschaft geht eben auch an Hildesheim nicht vorbei. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an die Sprachfähigkeit der Geflüchteten. Auch für Lager- und Produktionshelfer ist die Sprachstufe A2 – B1 erforderlich. Auch wenn die Buchstabenbenennung nach Anfang klingt, diese Sprachstufen zu erreichen erfordert das Bestehen schwieriger Prüfungen.

„Wie gut, dass es bei FLUX nun Meike gibt“, die Sprachkoordinatorin, die über die aktuellen Deutschkursangebote informiert ist und die Suchenden dorthin vermittelt. Wieder Dein nettes Lächeln. Du nimmst die Dinge immer mit Humor und verbesserst so jede Stimmung im Raum.

Im Jahr 2024 wird die Initiative FLUX zur gGmbH und Wolfang Rehkate unterstützt Friedhelm Zill über ein halbes Jahr in der Geschäftsführung. Auch diese eher trockene Arbeit übernimmst Du mit viel Freundlichkeit und Humor bis Du die Aufgabe an eine bezahlte Geschäftsführerin weitergeben kannst.

FLUX war und ist, glaube ich immer noch, ein Projekt dass sich flexibel auf Situationen einstellen kann. Das hilft den Hilfesuchenden, für die Organisation ist es oft eine Herausforderung und hat schon zu zahlreichen räumlichen Umstrukturierungen geführt. Seit Wolfgang Rehkate im FLUX-Team ist, denkt und organisiert er Umzüge und Raumaufteilung. Er kümmert sich sowohl um die nötige Ausleuchtung, das in Schach halten der enormen Geräuschentwicklung und jetzt gerade kürzlich um die Luftumwälzung in den heißen Sommermonaten. Die Räume sind zweckvoll und schön!

Zu einem guten Teil: Wolfgangs Werk!

So nebenbei, es sei Dein Hobby, schreibst Du Geschichten über FLUX. Das Erlebte wird zur Prosa, mit viel Humor gewürzt und mit deutlichen Hinweisen auf reale Probleme mit Sprache und Bürokratie.  Dein erstes Buch ist druckreif. Hoffentlich findet sich ein Verlag. Deine Geschichten haben das Zeug, den Menschen die Angst vor dem Fremden zu nehmen. Das ist so besonders wichtig in einer Zeit, in der das angeblich Fremde als Wahlpropaganda missbraucht wird.

Ich gucke auf die Uhr. Schon über ein Stunde reden wir und könnten immer so weiterreden. Zwischen Weißt Du noch und Neuigkeiten bei FLUX. An Deinen Tischen haben schon hunderte von Deutschstunden stattgefunden. Menschen gelacht und manchmal geweint.

Wolfgang Rehkate war oft dabei und hat im Zweifel ein Taschentuch herausgeholt, zugehört und, wenn die Tränen getrocknet waren, mit seinem verständnisvollen Lächeln den Mut zum Weitergehen gezaubert.

Am Ende erfrage ich noch Deinen Wunsch für FLUX.

„Mein Wunsch? Dass Menschen ins FLUX-Café kommen und mit den Geflüchteten, die sich dort treffen, Deutsch reden.“ Ein Deutschkurs kann nur die Grundlage legen, die Sprachanwendung ist notwendig. Fühlen Sie sich angesprochen, und kommen Sie bei FLUX vorbei. Nicht nur, dass die Räume wunderschön sind, das Team ist auch ausgesprochen nett.

Dienstags und donnerstags 15-18.00 Uhr Senkingstr. 10A, oberste Etage, rechte Seite.

Danke, lieber Wolfgang, für das nette Gespräch.

Marietta


Marietta Tebbenjohanns