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Antworten auf wichtige Fragen zur Infektion und dem Test

Weil immer noch eine große Unsicherheit in der Bevölkerung herrscht und viele falsche Informationen im Umlauf sind, beantwortet Dr. Katharina Hüppe, die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes, hier noch einmal zusammengefasst wichtige Fragen:

Wie kann man sich mit dem Corona-Virus infizieren ?

Der Coronavirus SARS-CoV-2 wird nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen vernehmlich über Tröpfcheninfektion zum Beispiel beim Husten oder Niesen übertragen. Deshalb sollen alle Menschen, die solche Krankheitsanzeichen haben – egal ob wegen einer Erkältung oder wegen einer Grippe bzw. einer Infektion mit dem Corona-Virus – immer in ein Taschentuch bzw. in die Ellenbeuge husten oder niesen. Die Taschentücher sollen direkt nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden. Wenn sich die Erkrankten anschließend die Hände gründlich waschen (20 sec. mit Wasser und Seife), können Sie auch wieder Türklinken und andere Gegenstände anfassen ohne Krankheitserreger darauf zu übertragen.

Aber auch für die Gesunden ist regelmäßiges und gründliches Händewaschen sehr wichtig; dabei werden nahezu alle Vieren und auch Bakterien entfernt. Die Desinfektion mit einem besonderen Desinfektionsmittel ist deshalb nur im direkten Kontakt mit Infizierten z.B. für Ärzte oder Pflegekräfte notwendig. Für die genügen nach dem heutigen Erkenntnisstand Mittel, die sicher gegen Viren wirken, sogenannte „begrenzt viruzide Mittel“.

Wer gilt als ansteckungsgefährdet ?

  • Sogenannte Reiserückkehrer, also grundsätzlich jeder, der sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet nach der jeweils aktuellen Definition des Robert-Koch-Instituts (RKI) aufgehalten hat. Achtung: diese Liste wird immer wieder erweitert.

  • Als Kontaktperson mit einem „höheren Infektionsrisiko“ gelten all diejenigen, die einen intensiven persönlichen Kontakt zu einem vom Labor bestätigten Infizierten hatten. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man mindestens 15 min. mit dieser Person „face-to-face“ gesprochen hat oder mit ihr in einem Haushalt lebt. Man infiziert sich nicht, nur weil man im gleichen Supermarkt einkaufen war. Selbst im gleichen Raum tätige Kollegen stecken sich nicht ohne weiteres an. Das gilt natürlich nicht, wenn einem ein Infizierter direkt ins Gesicht hustet oder niest.

Wer wird auf das Coronavius SARS-CoV-2 getestet ?

Getestet werden ausschließlich „begründete Verdachtsfälle“, also:

  • Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet, die spezifische Krankheitszeichen eines Atemweginfekts haben wie Husten, Schnupfen, Fieber etc.

  • Personen mit Kontakt zu einem labordiagnostisch bestätigt Infizierten, die spezifische Krankheitszeichen eines Atemweginfekts oder auch nur allgemeine unspezifischen Symptome haben.

Die Tests auf SARS-CoV-2 werden im Corona-Diagnosezentrum ausschließlich nach Überweisung des behandelnden Hausarztes auf Termin durchgeführt. Im Gesundheitsamt werden Rachenabstriche „begründeter Verdachtsfälle“ (s.o.) sowie in häuslicher Quarantäne erkrankter Kontaktpersonen ebenfalls ausschließlich nach vorheriger Terminabsprache durchgeführt.

Wieso kann nicht jeder zur Abklärung einfach zu dem Test gehen ?

Die Rachenabstriche dürfen von dem medizinischen Personal nach Risikoabwägung nur unter Verwendung persönlicher Schutzausrüstung durchgeführt werden, damit sich die Mitarbeiter/innen nicht selbst infizieren.

Jede zum Test eingeladene Person sollte bis zum endgültigen Ausschluss der Infektion Kontakt zu Dritten vermeiden; das gilt auch für diejenigen, für die keine häusliche Quarantäne durch das Gesundheitsamt angeordnet wurde. Auch Reisrückkehrer aus Österreich oder der Schweiz sollten sich eigeninitiativ 14 Tage lang möglichst nur zuhause aufhalten und Kontakte zu Dritten meiden.

Was passiert, wenn man positiv auf SARS-Cov-2 getestet wurde ?

Sobald ein positiver Laborbefund vorliegt, muss der dann labordiagnostisch Infizierte dem Gesundheitsamt wiederum all seine Kontaktpersonen mit einem „höheren Infektionsrisiko“ benennen. Diese werden dann nach Risikobewertung durch das Gesundheitsamt als ansteckungsverdächtige Kontaktperson – ebenso wie der Infizierte – ggf. für 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsamt hält regelmäßig Kontakt zu diesen Verdachtspersonen. Sobald sich bei ihnen Krankheitszeichen (Husten, Schnupfen, Fieber) zeigen, werden auch sie auf Corona getestet. Das kann bei erfolgter Infektion zwei bis maximal 14 Tage dauern; meist zeigen sich die Krankheitszeichen nach fünf bis sechs Tagen. Ein Test zu ungünstigem Zeitpunkt bevor Krankheitszeichen auftreten fällt häufig negativ aus. Daher schließt ein negatives Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus. Die 14 Tage häusliche Quarantäne sind deshalb auch für alle ansteckungsverdächtige Kontaktpersonen mit höherem Infektionsrisiko verpflichtend.

Was bedeutet häusliche Quarantäne ?

Labordiagnostisch bestätigt Infizierte oder ansteckungsverdächtige Kontaktpersonen mit höherem Infektionsrisiko, für die das Gesundheitsamt 14 Tage häusliche Quarantäne anordnet, dürfen in diesem Zeitraum die Wohnung nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes (z.B. für die Autofahrt zur Testung) verlassen und auch keinen Besuch empfangen, der nicht mit ihnen im Haushalt lebt.

Hält sich eine Person in häuslicher Quarantäne nicht an die Anweisungen des Gesundheitsamtes kann die zwangsweise Unterbringung in einer geeigneten abgeschlossenen Einrichtung erfolgen. Das Grundrecht der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des Grundgesetzes) kann insoweit eingeschränkt werden. Außerdem begeht die Person damit eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden kann. Darauf wird in dem schriftlichen Bescheid ausdrücklich hingewiesen.

Steckt ein Infizierter vorsätzlich oder grob fahrlässig eine andere Person an, drohen ihm außerdem Schadenersatzansprüchen der geschädigten Person und eventuell Schmerzensgeldforderungen.

Bekommen Personen, für die vom Gesundheitsamt eine häusliche Quarantäne angeordnet wurde, weiterhin ihr Gehalt ?

Arbeitnehmer/in oder Beamte/r erhalten ihr Gehalt grundsätzlich wie im Krankheitsfall weiter gezahlt. Der Arbeitgeber oder ein Selbständiger kann für den durch die Absonderung erlittenen Verdienstausfall auf Antrag eine Entschädigung nach den Regelungen des § 56 Infektionsschutzgesetzes beantragen.

Auch darauf wird die Person, für die vom Gesundheitsamt eine häusliche Quarantäne angeordnet wurde, in dem Bescheid hingewiesen.

Wann ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes erforderlich?

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch eine Person, die an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt ist, kann sinnvoll sein. Dadurch kann das Risiko der Ansteckung einer anderen Person durch Tröpfchen, wie sie beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, verringert werden. Das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes dient dann also dem Fremdschutz. Für die optimale Wirksamkeit ist dabei wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz richtig sitzt, also eng anliegt, und bei Durchfeuchtung gewechselt wird. Es gibt allerdings keine hinreichenden Belege dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Ansteckungsrisiko für die Person reduziert, die ihn trägt (Selbstschutz). Vielmehr kann das Tragen einer solchen Maske auch ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen.

Wichtig ist das Einhalten der allgemeinen Hygiene-Regeln wie Abstand halten und regelmäßiges und gründliches Händewaschen. FFP 2-Masken oder FFP 3-Masken sowie gegebenenfalls weitere Schutzkleidung sollen nur von medizinischem und pflegerischem Personal zum Schutz getragen werden in definitiven Risiko-Situationen, bei diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen oder engem Pflegekontakt bei infizierten Patienten oder noch nicht abgeklärtem Verdachtsfall.

Im privaten Kontakt mit anderen Menschen ist dieser Schutz nicht erforderlich, unsinnig und sollte auch wegen der sehr begrenzten Ressourcen nicht verwendet werden.