9. Hildesheimer Ehrenamtspreis für Anette Sommer, Eckhard Weidel und den Verein "Brücke der Kulturen"
„Das Engagement ist eine Herzensangelegenheit“, beschreibt Eckhard Weidel seinen Einsatz, gleiches dürfte für das Ehepaar Astrid und Dr.-Hans-Peter-Geyer gelten mit ihrer Stiftung und für viele der anwesenden Gäste.
Eckhard Weidels Lebensweg ist untrennbar verbunden mit dem Verein „Eintracht Hildesheim“, mit dem organisierten Sport, mit Bildung, mit sozialer Verantwortung mehr als 70ig jährigen Engagement. Er war im Vorstand, ist bis heute im Aufsichtsrat und leitet auch heute noch Sportgruppen und organisiert z.B. einwöchige Deutschland-Radtouren. Er arbeitete auch bei allen großen Strukturveränderungen des Vereins mit, war Ideengeber für neue Einrichtungen wie einer Krippe und einer Kindertagesstätte und setzte sich für die Nachmittagsbetreuung von Schüler*innen ein. 750,00 Euro durfte er als Anerkennung entgegennehmen.
Anette Sommer musste ihren Beruf als Lehrerin wegen einer zunehmenden Sehbehinderung aufgeben. Aus heutiger Sicht könnte man sagen, sie hat ihn eingetauscht gegen ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement.
In der Matthäusgemeinde kümmert sie sich um die Seniorenarbeit, schuf eine Singgruppe und Spieleabende, jeweils für Menschen mit und ohne Sehbehinderung.
Sie engagiert sich im Vorstand der Gruppe Hildesheim des Blindenverbandes Niedersachsen und gründete vor 3 Jahren die Selbsthilfegruppe „ABS-Aktive Blinde & Sehbehinderte“. Damit wurde für die Betroffenen einer möglichen Isolation entgegengewirkt, die entstehen kann, wenn sie mit dem Fortschreiten ihrer Behinderung allein gelassen werden. Angeboten wird Austausch der Betroffenen
über die Herausforderungen des täglichen Lebens und entsprechende Lösungsversuche und Hilfen. Es gibt Workshops mit Angehörigen und ehrenamtlichen Helfern, in einer Tandem-Gruppe treffen sich Teams mit jeweils einer Person mit und ohne Sehbeschränkung um z.B .gemeinsam zu laufen, es gibt eine
Body-Fit-Gruppe, die auf die besonderen körperlichen Bedürfnisse der Sehbehinderten eingeht, etwa auf Fehlhaltungen durch den Blindenstock oder Sehbeeinträchtigungen. Auch ein Fitness-Training für die Seele wird angeboten oder Kurse zur Nutzung von Smartphones und von Sprachgeräten und noch einiges mehr.
All diese Aktivitäten wurden maßgeblich von Frau Sommer initiiert. Unerschöpflich scheint ihr Ideenreichtum für neue Aktivitäten, die sie auch selbst ins Laufen bringt.
In einer Welt, die stark vom Sehen geprägt ist, setzt Anette Sommer ein Zeichen für das Wesentliche: nämlich das Verstehen und das Handeln für ein Miteinander. Ihr Wirken ist ein kraftvolles Beispiel dafür, wieviel ein einzelner Mensch bewegen kann.
Auch sie konnte 750,00 Euro als Anerkennung entgegennehmen.
Dilek Boya, Mitbegründerin des“ Vereins Brücke der Kulturen Hildesheim“ konnte 1500,00 Euro für den Verein entgegennehmen. Vor 14 Jahren wurde von mehreren migrantischen Vereinen, Glaubens- und weiteren Gemeinschaften ein Netzwerk gegründet: die „Brücke der Kulturen e.V.“. Eine Brücke verbindet. Herkunfts- und kulturübergreifend soll mit ihr die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Migranten und geflüchteten Menschen gefördert und gestärkt werden. Heute sind 21 Einrichtungen und 32 Einzelpersonen in der Brücke der Kulturen engagiert. Der Vorstand besteht einerseits aus vereinsgebundenen und andererseits aus unabhängigen Personen, um so größtmögliche Neutralität zu sichern. Seit 2 Jahren gibt es die Begegnungsstätte „Haus der Vielfalt“, dort gibt es z.B. das „Interkulturelle KreativCafe“. Psychisch erkrankte junge Menschen, z.B. aufgrund von Fluchterfahrungen, erhalten hier die Möglichkeit, Kunsttechniken zu erlernen, sich gegenseitig auszutauschen und professionelle Hilfe.
Bei 42 Nominierungen war die Entscheidung zwar einstimmig, aber nicht einfach. Die Preisverleihung des Ehrenamtspreises Hildesheim, der Astrid-und-Dr.-Hans-Peter-Geyer-Stiftung wurde im Rathaus unter Mitwirkung des Oberbürgermeisters Dr. Ingo Meyer statt und war eingebettet in den Jubiläumsempfang zum 25. Geburtstag der Bürgerstiftung.
Dr. Sabine Schreiner, Vorsitzende der Bürgerstiftung, erinnerte mit ihrer Rede an die Vision von Dr. Hans-Peter Geyer vor 25 Jahren eine Bürgerstiftung zu gründen. Diese Vision wurde Wirklichkeit und heute verwaltet die Bürgerstiftung mehr als fünf Millionen Euro zum Wohle der Stadt und der Region Hildesheim. Der ehrenamtliche Vorstand der Bürgerstiftung kann so zukunftsweisende kulturelle, soziale und bildungsfördernde Projekte ermöglichen. Im Zentrum der Stiftungsarbeit steht immer die Frage: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Die Antwort ist einfach, es sind die Menschen. Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen, sich für andere einsetzen und manchmal auch die, die Visionen haben und Ideen realisieren. Dazu gehört auch im Dialog zu bleiben, Perspektiven zu wechseln. Dieser Gemeinsinn ist keine Selbstverständlichkeit, sondern kann als Aufgabe betrachtet werden, die uns alle angeht, so ihr Fazit.
In ihrem Jubiläumsjahr hat die Bürgerstiftung noch einiges vor. Sie möchte 25 neue Stifter*innen gewinnen. Sie könnten ein Mensch dafür sein. Oder vielleicht haben Sie Lust beim Entenrennen dabei zu sein am 13. Juni an der Innersten. Enten können in der Touristinfo erworben werden. Preise winken und der Gewinn geht an die Hildesheimer Tafel. Es gibt auch einen Fotowettbewerb „Zusammenleben von alt und jung in der digitalen Welt“ (siehe Wettbewerbe). Alle Aktivitäten finden sie auch unter https://buergerstiftung-hildesheim.de/
Barbara Benthin