Baumkataster

Rettet die Birne im Landkreis Hildesheim … und den Apfel und die Mispel und die Quitte.

Viele Menschen merken es kaum, aber besonders alte Birnensorten werden in Norddeutschland immer seltener. Das hat nicht „die eine“ Ursache: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, veränderte Nutzung von Flächen, fehlender Nachwuchs in der Pflege von Streuobstbeständen, klimatische Veränderungen und der Verlust von Wissen rund um Schnitt, Veredelung und Verarbeitung spielen zusammen. Mit jedem verschwundenen Baum verlieren wir nicht nur eine Frucht, sondern auch genetische Vielfalt und damit eine wichtige Grundlage für einen widerstandsfähigen, zukunftsfähigen Obstbau.

Damit das nicht passiert, starten wir im Landkreis Hildesheim eine gemeinsame Rettungsaktion: das Baumkataster für Birne, Quitte und Mispel (inkl. Apfel- und Birnenquitte). Das Kataster soll einen Überblick schaffen: Wo stehen diese Bäume? Welche Bestände gibt es noch auf privaten, öffentlichen oder landwirtschaftlich genutzten Flächen? Und wo könnten sich alte, regionale Sorten verbergen, die es zu erhalten lohnt?

Was ist das Ziel?

  • Bestände sichtbar machen: Wir erfassen Standorte und Rahmeninfos, um erstmal zu wissen, was es überhaupt noch gibt.
  • Alte Sorten entdecken: Perspektivisch sollen Bäume – möglichst zur Reifezeit – begutachtet und, wenn möglich, sortenkundlich bestimmt werden.
  • Vermehren statt verlieren: Mit Zustimmung der Eigentümer*innen können Reiser geschnitten und alte Sorten durch Veredelung weitergegeben werden – so kann aus einem alten Baum wieder ein neuer entstehen.
  • Wissen bewahren: Wann ist Pflückzeit? Wie lagert man richtig? Wann ist Genussreife? Wofür eignet sich welche Sorte? Dieses Wissen soll gesammelt und weitergegeben werden.

Wer steckt dahinter?

Die Idee wurde Anfang 2025 im Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hildesheim angestoßen und fachlich abgestimmt. Technisch wird das Kataster von der Gemeinde Schellerten unterstützt. Begleitet wird das Projekt u. a. durch den Kreisheimatbund im Landkreis Hildesheim (KHB), der Veranstaltungen und Schulungen (z. B. Schnitt- und Veredelungskurse, Sortenbestimmung, Kostproben) finanziell und inhaltlich unterstützt. Auch die Klimaschutzagentur Landkreis Hildesheim begleitet das Vorhaben – denn Neupflanzungen stärken die Artenvielfalt und können zugleich als Schattenspender und Beitrag zur Klimaanpassung wirken.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt: Die Erfassung ist der Start. Danach sollen – Schritt für Schritt – Begutachtungen, Sortenbestimmungen und praxisnahe Angebote folgen. Ein Birnentag im Herbst ist perspektivisch geplant.

So können Sie mitmachen

Sie kennen einen Birnbaum, eine Quitte (Apfel- oder Birnenquitte) oder eine Mispel im Landkreis Hildesheim? Dann helfen Sie mit Ihrer Meldung!

Im Kataster werden zunächst nur die wichtigsten Informationen abgefragt, zum Beispiel:

  • Standort (Adresse oder Koordinaten)
  • ob der Baum auf privater, öffentlicher oder landwirtschaftlich genutzter Fläche steht
  • Wuchsform: Solitär, Reihe, Hecke oder Verbund
  • ob Kontaktdaten der Eigentümer*innen bekannt sind (optional)

Weitere Angaben – etwa Sorte, Zustand oder die Erlaubnis zum Reiser-Schneiden – können später ergänzt werden.

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Jede Meldung zählt. Denn jeder gemeldete Baum kann der Anfang sein, alte Sorten zu erhalten, neues Wissen zu schaffen – und die Birne (und ihre „Verwandten“) im Landkreis Hildesheim zurück ins Leben zu holen.