Runder Tisch Gronau - "Sei menschlich"

Um hier mitzumachen, braucht es nur die Offenheit unvoreingenommen auf jemanden zuzugehen, etwas Einfühlsamkeit und die Bereitschaft Wege aufzuzeigen.

Alles andere findet sich, denn jeder bestimmt selbst über seine Zeit und seinen Schwerpunkt der Hilfe, da sind sich alle einig. Wir sind Einzelkämpfer und gleichzeitig Gruppenkämpfer, die vom Schwarmwissen profitieren, so formuliert es Volker Schwardt und die Gruppe nickt.

Begonnen hat das Engagement für viele 2015, 2016 als die erste Flüchtlingswelle kam, eine lose Gruppe.

So ist z.B. das Ehepaar Bode einfach zur Flüchtlingsunterkunft gefahren, weil sie den Menschen ein kleines Gefühl von Willkommen geben wollten. Spiele haben wir gespielt, denn Sprache war schwierig. Bei Sprachkursen wurde unterstützt und die Kirche machte eine Aktion „Kleiderspende“. So kam es auch zum Kontakt mit dem Hauptamtlichen Integrationshelfer und wir waren da, wenn es irgendwo gebrannt hat, sagt Uwe Bode.

Volker Schwardt z.B. besuchte die Bürgerinfomationsveranstaltung der Gemeinde, die Ängste nehmen wollte, aus Interesse. Er fragte sich, wie würde ich mich fühlen, wenn du in ein fremdes Land kommst, nichts hast, niemanden kennst und die Sprache nicht sprichst. Seine Antwort für sich war, ich wäre froh, wenn mich jemand an die Hand nimmt.

Er, der sich als Schreibtischtäter bezeichnet, kümmert sich vor allen bei der Hilfe bei Formularen und das auch für Nichtmigranten, die ja auch oft hilflos mit Behördenschreiben dastehen.

Marita Lampe zog mit Beginn der Rente nach Gronau und wollte mal ein neues Engagementfeld ausprobieren und hat sich beim Kirchencafe für Deutsche und Geflüchtete gemeinsam mit 7 anderen Frauen zusammengetan und sie haben Deutschkurse organisiert. Daraus ergaben sich Einzelbetreuungen, Im Laufe der Jahre haben sich die Bedürfnisse verändert, Viele Formalien sind geklärt, Arbeitsstellen gefunden, die Sprache ist kein Problem mehr, Familien wurden gegründet. Heute gibt es z.B. jeden Freitag ein Frauencafe.

Bei dem Frauencafe ist auch Fatma Cayir, die in der Türkei deutsch studiert hat. Ihr wurde in Deutschland am Anfang geholfen, jetzt möchte sie etwas zurückgeben und es ist eine gute Gelegenheit für sie mehr über die deutsche Kultur zu lernen. Und sie möchten Brücken bauen für die oft schüchternen Frauen und Familien und sie motivieren mitzumachen und sich in die Gemeinschaft zu begeben und einzubringen. Sie ist auch 2. Vorsitzende des Förderkreises Leinebergland e.V. der den Runden Tisches unterstützt.

Dies sind nur ein paar Beispiele von den insgesamten 40 Ehrenamtlichen, die auch noch weitere Projekte ins Leben gerufen haben, wie die Fahrradwerkstatt. Dort können Fahrräder mit Unterstützung repariert und anschließend genutzt werden.

In der Nähwerkstatt für Frauen werden aus verschiedenen Stoffen Kleidungsstücke, Taschen, Kissen und vieles mehr gefertigt.

Im Frauensprachlerncafé wird gemeinsam Deutsch gelernt, Anliegen werden besprochen, und natürlich gibt es Kaffee oder Tee sowie Kekse. Einige Ehrenamtliche unterstützen zudem bei sprachlichen Schwierigkeiten und übersetzen.

Vielleicht gibt es auch mal einen Männertreff, wenn sich jemand dafür begeistern kann, das ins Leben zu rufen.

Der Runde Tisch Asyl in Gronau und Duingen trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr in der Hauptstr. 8. In Duingen finden die Treffen alle zwei Monate statt. Der Runde Tisch dient als Austausch- und Informationstreffen zwischen den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Integrationshelfenden.

Als hauptamtliche kommunale Integrationshelferin ist Tabea Bornemann das Bindeglied zwischen den Ehrenamtlichen, der Samtgemeinde Leinebergland, dem Landkreis Hildesheim und weiteren Akteur*innen der Integrationsarbeit. Sie ist Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen und unterstützt bei Schwierigkeiten oder wenn es zeitlich zu viel wird.

Zudem erhalten die Ehrenamtlichen regelmäßig Newsletter mit aktuellen Informationen und Veranstaltungen, die für die Flüchtlingsarbeit relevant sind. Außerdem berät und unterstützt sie die Geflüchteten auch direkt.

Gerne würde der Runde Tisch weitere Engagierte begrüßen, gleich welchen Alters. Viele von den Engagierten sind seit 10 Jahren dabei, Freundschaften wurden geschlossen .Manchmal ist man am Anfang auch ein bisschen Familienersatz, der Hilfe zur Selbsthilfe gibt und Halt.

Gesucht werden Ehrenamtliche, die Interesse haben, sich im Bereich der Einzelfallbegleitung zu engagieren. Das bedeutet, Familien oder alleinstehende Personen bei Fragen des Alltags zu unterstützen, sei es beim Verstehen und Beantworten von Briefen oder bei der Vereinbarung von Arztterminen. Außerdem freuen sich viele Geflüchtete über Gesprächspartner*innen, um ihr Deutsch zu verbessern. Das ist dann auch wirkliche Integration in das Alltagsleben, ein gleichwertiger Teil der Gemeinschaft zu werden.

Auch freut sich die Gruppe auch immer über Personen, die beim Übersetzen helfen können (Arabisch, Kurdisch, Persisch, Spanisch, Französisch).

Dabei kann jede*r selbst entscheiden, wie viel Zeit investiert werden soll. Die Arbeit ist so individuell wie die Menschen, die sie begleiten. Fahrtkosten werden erstattet.

Und man selber bekommt auch etwas zurück, erhält einen Einblick in andere Kulturen, erweitert seinen Horizont, genießt gutes Essen und erlebt eine Dankbarkeit der Menschen, die wenig haben und es dennoch immer teilen wollen. Etwas, was in unserer Kultur nicht immer so zum Ausdruck kommt. Das ist das, was die Engagierten erleben und wofür sie dankbar sind.

Und es braucht diese Engagierten, damit Demokratie und Werte erlebbar werden für alle Beteiligten.

Das, was manchmal etwas schwierig ist bei dem Engagement, sind nicht die geflüchteten Menschen, es ist eher die Zusammenarbeit mit den Behörden und die Beobachtung, dass wenn eine deutsche Begleitung bei Behördengängen dabei ist,  der Umgang wesentlich höflicher und Verständnisvoller ist.

Von daher der Wunsch, machen sie doch mal einen Versuch den Runden Tisch Gronau zu unterstützen.

Natürlich gibt es auch in einigen anderen Gemeinden runde Tische, die sie bestimmt gerne als Neuling integrieren.

Kontakt: Tabea Bornemann, Telefon: 05182/ 58660-85, Mobil: 0160 / 9575 2059, E-Mail: t.bornemann@sg-leinebergland.de

Barbara Benthin